Andreas Kirchner

Rennwagengehirn mit Trabbi-Bremsen: Warum dein Kopf nicht kaputt ist – nur anders gebaut

– Beitrag

Stell dir vor, in deinem Kopf sitzt ein V12-Rennmotor. Brüllend, schnell, voller Kraft. Du hast Ideen, während andere noch die Frage lesen. Du brennst für Dinge, bis du sie in einer Nacht durchziehst. Du nimmst zehn Sachen gleichzeitig wahr, wo andere eine sehen.

Und dann kommt der Haken: Zu diesem Rennmotor hat dir jemand die Bremsen von einem alten Trabbi eingebaut.

Genau so fühlt sich ADHS oft an. Nicht „zu wenig“ von irgendwas – sondern ein Hochleistungsmotor mit einer Bremse, die nicht zum Motor passt. Du kommst nicht schwer in Gang, weil du faul bist. Du kommst schwer in Gang, weil ein V12 im Stadtverkehr einfach anders läuft als ein Linienbus.

Das Problem ist nicht der Motor. Das Problem ist die falsche Strecke.

Ein Rennwagen auf einer engen Einkaufsstraße wirkt wie eine Katastrophe: zu laut, zu schnell, ständig am Anecken. Derselbe Rennwagen auf der Rennstrecke? Ein Wunder. Die Frage bei ADHS ist deshalb selten „Wie repariere ich mich?“ – sondern „Wo ist meine Strecke, und wie kriege ich Bremsen, die zu meinem Motor passen?

Das ist kein Schönreden. ADHS kann im Alltag richtig wehtun – vergessene Termine, Chaos, das Gefühl, ständig hinterherzuhinken. Aber die Forschung ist hier klar: Ein schnelles, kreatives, reizoffenes Nervensystem ist keine Krankheit. Es ist eine Variante. Ohne Menschen, die Lust auf Risiko und Neues haben, wären wir nie von unserer Scholle aufgebrochen.

Was du also brauchst, ist kein neuer Motor. Du brauchst:

  • Bremshilfen, die zu dir passen (Struktur von außen, nicht Willenskraft von innen)
  • deine Strecke – Aufgaben und Umfelder, in denen dein Tempo eine Stärke ist
  • und das Wichtigste: einen anderen Blick auf dich selbst. Nicht „mit mir stimmt was nicht“, sondern „ich bin anders gebaut – und das darf sein.“

Wenn du dich hier wiedererkennst: Du bist nicht kaputt. Du fährst nur seit Jahren auf der falschen Strecke, mit den falschen Bremsen. Und beides lässt sich ändern.

Wenn du wissen willst, wie dein Motor tickt: In meiner Praxis in Karlsruhe kläre ich ADHS bei Erwachsenen ab – klar, ehrlich, und mit sofortiger erster Hilfe statt wochenlangem Warten. Melde dich gern.

Mehr dazu, wie eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen abläuft.

Andreas Kirchner, M.Sc., klinischer Psychologe, Heureka Therapie Karlsruhe

– Navigation

– Rechtliches

– Soziale Netzwerke