Die meisten kommen mit derselben Erwartung zu mir: „Sagen Sie mir, wie ich mich endlich in den Griff kriege.“
Und ich verstehe das. Wenn du dreißig Jahre lang gehört hast, du müsstest dich nur mehr anstrengen, dann glaubst du irgendwann selbst, es sei eine Frage der Disziplin. Also suchst du das nächste System, den nächsten Planer, die nächste App.
Nur: Wenn Disziplin allein das Problem lösen würde, wärst du längst fertig. Du hast es oft genug versucht.
Deshalb fangen wir woanders an.
Stell dir dein Inneres nicht als eine Person vor, sondern als ein Team. Ein Cockpit mit mehreren Stimmen.
Da ist der Teil von dir, der brennt — der Ideen hat, der drei Projekte gleichzeitig starten will, der um Mitternacht Feuer fängt. Der Rennmotor.
Da ist der Teil, der bremst. Der um vier Uhr nachts alles durchrechnet, was schiefgehen kann. Der dich am Morgen im Bett festhält, weil der Tag zu groß aussieht.
Und da ist der Antreiber. Die Stimme, die sagt: „Reiß dich zusammen. Andere schaffen das auch.“
In der klassischen Sichtweise wäre klar, wer hier der Störenfried ist. In der hypnosystemischen Arbeit — so, wie ich sie bei Gunther Schmidt gelernt habe — stellen wir eine andere Frage: Wofür ist dieser Teil eigentlich gut?
Denn keiner dieser Anteile ist gegen dich. Der Antreiber ist irgendwann entstanden, weil er dich geschützt hat — vor Kritik, vor Beschämung, vor dem „schon wieder?“. Er macht seinen Job zu grob und zu laut, aber er meint es nicht böse. Er hat nur nie gelernt, dass es auch anders geht.
Das ist der entscheidende Unterschied. Sobald du aufhörst, gegen deine eigenen Anteile Krieg zu führen, hört auch der innere Dauerlärm auf. Und erst dann hast du überhaupt Kapazität, etwas zu verändern.
Wie das konkret aussieht.
Wir arbeiten in vier Bewegungen — nicht starr, aber das ist der rote Faden:
1. Verstehen, wie dein Motor gebaut ist. Wo ist dein Tempo eine Stärke, wo läufst du dich fest? Was passiert in dir kurz vor dem Aufschieben? Wir schauen genau hin, statt zu verallgemeinern. Zwei Menschen mit ADHS können völlig unterschiedlich funktionieren.
2. Den Alarm senken. Ein Nervensystem im Dauerstress kann sich nicht organisieren. Wer sich schämt, denkt nicht klar. Deshalb kommt Sicherheit vor Strategie — immer. Hier arbeiten wir mit Trance, mit dem Körper, mit Übungen, die du auch allein anwenden kannst.
3. Mit den Anteilen ins Gespräch. Wir holen die Stimmen an einen Tisch. Nicht metaphorisch-esoterisch, sondern ganz praktisch: Was will der Bremser? Was bräuchte er, um lockerzulassen? Oft ist das der Moment, in dem Menschen zum ersten Mal seit Jahren wieder Luft bekommen.
4. Bremsen bauen, die zu dir passen. Erst jetzt kommt das Praktische — Struktur von außen statt Willenskraft von innen. Aber maßgeschneidert. Ein System, das für eine ordentliche Buchhalterin funktioniert, funktioniert bei einem Rennwagengehirn eben nicht.
Was das nicht ist.
Das ist kein Training, in dem du lernst, ein bisschen weniger du selbst zu sein. Es ist auch keine Ersatz-Entscheidung für oder gegen Medikamente — das gehört in ärztliche Hände, und wir ordnen es gemeinsam ein.
Es ist der Versuch, deinen Motor endlich fahrbar zu machen. Ohne ihn kleiner zu machen.
Wenn du wissen willst, wie das bei dir aussehen würde: In meiner Praxis in Karlsruhe arbeite ich mit Erwachsenen mit ADHS — hypnosystemisch, auf Augenhöhe und mit einer ordentlichen Portion Humor. Schreib mir gern.
Mehr dazu, wie eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen abläuft.
Andreas Kirchner, M.Sc., klinischer Psychologe, Heureka Therapie Karlsruhe