Wenn du dich bei mir meldest, bekommst du nicht sofort einen Therapieplatz-Termin. Du bekommst zuerst ein Screening. Und ich erkläre dir gern, warum — denn genau das macht am Ende den Unterschied.
Grund 1: Damit wir nicht die falsche Baustelle bearbeiten.
„Ich kriege nichts auf die Reihe, ich bin ständig unruhig, ich vergesse alles.“ Dieser Satz kann ADHS bedeuten. Er kann aber genauso gut eine Depression sein. Oder eine Angststörung. Oder ein Erschöpfungszustand nach Jahren im falschen Job. Oder Trauma-Folgen. Oder eine Schilddrüse, die nicht mitspielt. Oder mehreres davon gleichzeitig — was in der Realität sogar der Normalfall ist.
Von außen sehen diese Dinge einander verblüffend ähnlich. Und wenn wir sofort loslegen, arbeiten wir womöglich monatelang engagiert an etwas, das gar nicht der Kern ist. Das ist nicht nur schade um dein Geld, sondern vor allem um deine Kraft. Und für jemanden, der schon zehnmal gescheitert ist, ist ein weiterer erfolgloser Versuch nicht neutral — der drückt.
Grund 2: Sicherheit geht vor.
Ich muss wissen, ob gerade etwas da ist, das Vorrang hat. Ob du dich sicher fühlst. Ob eine ärztliche Abklärung dazugehört. Ob es akute Belastungen gibt, die zuerst Halt brauchen. Das ist keine Formalie und kein Misstrauen — das ist die Grundlage dafür, dass ich verantwortlich mit dir arbeiten kann. Und es gehört zu meiner Sorgfaltspflicht, das vorher zu klären und nicht nebenbei.
Grund 3: Du sollst wissen, worauf du dich einlässt.
Nach dem Screening weißt du drei Dinge: was ich vermute, was ich vorschlage — und was ich nicht kann. Wenn ich der Meinung bin, dass du woanders besser aufgehoben bist, sage ich dir das. Auch dann, wenn ich damit einen Patienten weniger habe. Ich halte nichts davon, Menschen in eine Therapie zu holen, die ihnen nicht passt.
Grund 4: Klarheit ist selbst schon Entlastung.
Das unterschätzen viele. Ein Großteil der Anspannung entsteht gar nicht durch die Symptome, sondern durch das Nichtwissen. Durch dieses zermürbende „Vielleicht bin ich einfach faul und suche mir nur eine Ausrede.“ Wenn dieser Satz zum ersten Mal von einem Fachmenschen sortiert wird, verändert sich etwas — oft schon im ersten Gespräch.
Wie es abläuft.
Du füllst vorab einen kurzen Fragebogen aus. Dann sprechen wir strukturiert: Was ist heute los, wie war das früher, was hast du schon versucht, was soll anders werden. Ich ordne ein, ehrlich und ohne Fachchinesisch. Und du bekommst eine konkrete Empfehlung für den nächsten Schritt.
Du gehst nicht mit einer Nummer und einem Wartelistenplatz raus, sondern mit einer Einschätzung. Auch wenn du dich danach gegen eine Therapie bei mir entscheidest.
Der erste Schritt ist der kleinste: Wenn du wissen willst, was bei dir eigentlich los ist, füll das Screening aus oder schreib mir kurz. Alles Weitere entscheiden wir danach — gemeinsam und in Ruhe.
Mehr dazu, wie eine ADHS-Abklärung bei Erwachsenen abläuft.
Andreas Kirchner, M.Sc., klinischer Psychologe, Heureka Therapie Karlsruhe